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Dieser Beitrag wurde von Frau Dr. Christiane Haupt, Tierärztin und Leiterin der Mauerseglerstation in Frankfurt am Main sowie Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Mauersegler e.V. verfasst.

Christiane Haupt:

Tierärztliche Hilfe für Mauersegler

 

 

 

Woran erkenne ich, ob es dem Mauersegler, den ich gefunden habe, schlecht geht?

 

Unfallvogel im Schock: gesträubtes Gefieder, geschlossene Augen. Foto: C. Haupt

 

 

Mögliche Symptome:

  • gesträubtes Gefieder, geschlossene Augen, aufgekrümmter Rücken

  • Vogel zittert, fühlt sich kalt an

  • Vogel krallt sich panikartig schmerzhaft fest in die Hand

  • völlige Abmagerung, federleicht, „nur Haut und Knochen“

  • Verletzungen (Wunden, Blut, hängender Flügel, verdrehte Gliedmaßen o.ä.)

  • Blut aus dem Schnabel, Nase oder Ohr

  • Rachen weiß oder grau statt rosa

  • Zuckungen, Krämpfe

  • Atemnot, Atemgeräusche, offener Schnabel

  • Schreie, jammernde Laute

 

Ohne Grund wird kein Mauersegler am Erdboden gefunden! Den Vogel nie einfach hochwerfen! Eine gründliche Untersuchung des Findlings, am besten durch den Tierarzt, ist notwendig, um genau festzustellen, warum das Tier niedergegangen ist, und um sinnvoll und zielgerichtet helfen zu können.

 

Für die fachkundige Behandlung der nachfolgend genannten Komplikationen ist unbedingt ein Tierarzt zuständig!

 

Hier verbietet sich jedes eigene Herumprobieren mit Pflastern und Klebeband, der Medizin von Nachbars Hühnern, Omas Herztropfen oder universellen Allheilmitteln aus der Hausapotheke: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht und hat schon so manchem Findling ein qualvolles Ende bereitet.

 

 

Knochenbrüche und Bänderrisse

a) Flügel

Hat Ihr Findling einen gebrochenen oder ausgerenkten Flügel, sieht es meist übel für ihn aus. Mauersegler sind Hochleistungsflieger, für die ein intakter Flugapparat lebenswichtig ist. Im Laufe ihres Lebens, das über 20 Jahre dauern kann, erbringen sie jährlich eine Flugleistung von ungefähr 200.000 km. Bedenken Sie stets, dass es für einen Mauersegler keine Kompromisse gibt: Er muss perfekt fliegen können - oder wird jämmerlich zugrunde gehen. Trotzdem sollte man nicht von vornherein verzweifeln, wenn ein Flügel hängt: Es gibt auch günstige Fälle, die geheilt werden können. Der vogelkundige Tierarzt wird ein Röntgenbild anfertigen und die Lage beurteilen.

 

Konservative Fixation mit der Figure-eight-bandage. Foto: C. Haupt

 

Unsachgemäße und tierquälerische „Fixation“ eines offenen, infizierten Trümmerbruchs: Aussichtslos. Foto: C. Haupt

 

Skalpierungswunde durch eine Katze: Aussichtslos. Foto: C. Haupt

 

Patient nach der OP: Marknagelung eines gebrochenen Unterarms (Pfeil: Austritt des Nagels). Foto: C. Haupt

 

b) Schultergürtel

 

Asymmetrische Flügelhaltung bei einer ausgerenkten Schulter: Dieser Segler wird nie wieder fliegen können und muss eingeschläfert werden. Foto: I. Polaschek

 

 

Die wichtigsten Knochen des Schultergürtels beim Vogel sind das filigrane Gabelbein und das kräftige, die Flugbewegung stützende Rabenschnabelbein. Prallt ein Segler mit hoher Geschwindigkeit gegen ein Hindernis, sind Brüche dieser Knochen und abgerissene Bänder nicht selten - und immer aussichtslos. Äußerlich ist meist nicht mehr zu sehen, als dass der Segler nicht oder nur ein ganz kurzes Stück fliegen kann. Gerade weil diese fatalen Verletzungen nicht so offenkundig ins Auge springen wie etwa ein Flügelbruch, mag man kaum glauben, dass es hier keine Rettung gibt. Der Tierarzt kann Ihnen eine Verletzung im Schultergürtel auf dem Röntgenbild zeigen.

 

Marknagelung eines Unterarmes. Zeichnung C. Haupt

 

 

c) Bein

Zu Beinbrüchen kommt es nicht selten durch den Sturz des Jungseglers aus dem Nest oder aber, wenn ein Segler sich am Nistplatz in einem Faden verfängt und vergeblich freizukommen versucht. Es passiert leider immer wieder einmal, dass solch ein Vogel dann hilflos am Dach unter seiner Nisthöhle hängt und ohne aufmerksame Nachbarn und eine einsatzbereite Feuerwehr zu einem qualvollen, lange Tage andauernden Tode verurteilt ist. Widerfährt ihm jedoch das Glück, gerettet zu werden, hat man es oft mit einem hochgradig geschwollenen, verdrehten oder sogar abgestorbenen Fuß zu tun, und tierärztliche Hilfe ist notwendig.

Ein gebrochenes Bein heilt, wenn es vom Tierarzt mit einem kleinen Verband um den Körper herum ruhig gestellt wird, im Allgemeinen komplikationslos zusammen, und eine geringe Schiefstellung beeinträchtigt den Vogel nicht. Bei einem komplizierten Beinbruch, einem Fuß, der nur noch an Sehnen und Haut hängt, oder bei einer abgestorbenen Gliedmaße sollte der Tierarzt eine Amputation vornehmen. Es ist bewiesen, dass Mauersegler mit nur einem Bein ohne weiteres leben und sogar brüten können.

 

 

d) Schnabel

Brüche des Unterschnabels entstehen fast immer durch unvorsichtiges oder zu grobes Füttern: Häufig wird der Fingernagel nur an der Schnabelspitze angesetzt und der Schnabel herunter gebogen, was den feinen Knochen dann fast immer brechen lässt. Diese Fraktur ist unnötig und vermeidbar und kann zu schweren Deformationen führen! Oft schließen Ober- und Unterschnabel später nicht mehr passgenau übereinander; unkontrolliertes Hornwachstum kann die Folge sein. Im schlimmsten Fall kommt es zum Verlust von Teilen der Hornscheide des Schnabels oder sogar zum Abbrechen der Schnabelspitze - ein Todesurteil!

Ein gebrochener Schnabel erfordert allergrößte Behutsamkeit und Vorsicht beim Füttern. Eine schnellstmögliche Fixation durch den Tierarzt ist angeraten.

 

  

Fixation einer Unterkieferfraktur mit einem Stückchen Federkiel. Zeichnungen: C. Haupt

 

 

Tipps für den Tierarzt

 

Zur Fixation einer unkomplizierten Mandibulafraktur kann als Schiene ein kleines Stückchen Federkiel, z.B. von einer Taubenfeder, dienen, das der Länge nach aufgeschnitten, ggf. unter Sedation spangenartig über die Bruchstelle geschoben und für einige Tage belassen wird.

Kein Klebstoff – ätzt!

Die auf diese Weise erreichte Stabilität ist zufrieden stellend. Zu Reizungen der Rachenschleimhaut im Bereich der Schiene kam es bei den beobachteten Fällen nicht, doch sollte dies genau kontrolliert werden.

 

 

Tipps für den Tierarzt

 

Normalanatomie des Skeletts eines ausgewachsenen Mauerseglers (Schultergürtel und Flügel): 1) Clavicula, 2) Coracoid, 3) Scapula, 4) Humerus, 5) Radius, 6) Ulna, 7) Carpometacarpus, 8) Phalanx digiti alulae, 9) Phalanx proximalis und 10) Phalanx distalis digiti maioris

Bandabriss zwischen Humerus und Schultergelenk. Man beachte die Dislokation des linken Humeruskopfes vom Schultergelenk

Fraktur der Clavicula und des Coracoids: Mehrfachfrakturen kommen bei Anflügen häufig vor

Ellbogenluxation im mediolateralen Strahlengang: kompletter Bandabriss

Ellbogenluxation im caudocranialen Strahlengang

Radiusfraktur, disloziert

Radiusfraktur nach Marknagelung mit 0,4 mm-Kanüle

Handgelenksluxation: Im mediolateralen Strahlengang scheint der Schaden gering und könnte übersehen werden

Handgelenksluxation: Erst der caudocraniale Strahlengang lässt das Ausmaß des Defektes erkennen

Die verhängnisvolle Luxatio art. sternocoracoidea ist in der normalen ventrodorsalen Aufnahme schwer zu erkennen. Beim Strecken der Flügel fällt die Zusammenhangstrennung Coracoid-Sternum kaum auf

Luxatio art. sternocoracoidea: Erst in der Provokationsaufnahme (Zusammenschieben der Flügel zur Medianen) wird die Verlagerung des Coracoids über die Mittellinie eindeutig sichtbar

 

 

Tipps für den Tierarzt

 

Da Lebensweise und hohe Spezialisierung dieser Vogelart bei der Frakturversorgung eine restitutio ad integrum zur unabdingbaren Voraussetzung machen, ist im Vorfeld zu klären, ob und - wenn ja, wie - ein Defekt des Flugapparates behoben und zugleich die Wiederherstellung der Wildbahnfähigkeit gewährleistet werden kann. Folgende Erfahrungen konnten bisher gesammelt werden:

 

 

Konservative Frakturversorgung

Chirurgische Frakturversorgung

 

Schulterluxation

nicht möglich

nicht möglich

infaust: Euthanasie

Humerusfraktur

nicht möglich

nicht möglich

infaust: Euthanasie

Ellbogenluxation

nicht möglich

nicht möglich

infaust: Euthanasie

Radiusfraktur

- Boxenruhe, evtl. Figure-eight-bandage

- nur, wenn nicht disloziert

- oft unbefriedigend durch Dislokation

Marknagelung, Nagel 10 Tage belassen

anschließend Physiotherapie

Ulnafraktur

- Figure-eight-bandage

- nur, wenn nicht disloziert

-unbefriedigend durch Dislokation

Marknagelung, Nagel 10 - 12 Tage belassen

anschließend Physiotherapie

Radioulnarfraktur

nicht möglich

Marknagelung, Nägel 10 - 12 Tage belassen

anschließend Physiotherapie

Handgelenksluxation

nicht möglich

nicht möglich

infaust: Euthanasie

Handfraktur

- Figure-eight-bandage

- nur, wenn nicht disloziert

- Dislokation meist nicht vermeidbar = Flugunfähigkeit

evtl. Intramedulläre Fixation ohne Einbeziehung des proximalen und distalen Gelenks; noch keine ausreichenden Erfahrungen

anschließend Physiotherapie

Luxation der Digiti

nicht möglich

nicht möglich

infaust: Euthanasie

Fraktur der Digiti

keine Erfahrungen

nicht möglich

ggf. Euthanasie

Claviculafraktur

nicht möglich

nicht möglich

infaust: Euthanasie

Coracoidfraktur

nicht möglich

nicht möglich ohne massives Muskeltrauma

infaust: Euthanasie

Scapulafraktur

- Ruhigstellung

- massive Kallusbildung kann zur Flugunfähigkeit führen

nicht möglich

ggf. Euthanasie

Luxatio art. sternocoracoidea

nicht möglich

nicht möglich

infaust: Euthanasie

 

Eine konservative Fixation darf nur einseitig vorgenommen und dabei nur Material verwendet werden, welches keinesfalls das Gefieder beschädigt; selbsthaftende "Snögg"-Verbände bieten sich an. Ein unversehrtes Gefieder ist für einen Dauerflieger genauso lebensnotwendig wie ein intaktes Skelett! Bewährt hat sich die "Figure-eight-bandage" (s. Zeichnung). Nach Abnahme des Verbandes sollte der Vogel einige Tage trainiert werden, um die Muskulatur zu kräftigen. Dazu kann man ihn täglich mehrmals flatternd eine Gardine emporklettern lassen oder ihn zu Übungen am Boden ermutigen. Von Flugübungen im Zimmer ist abzuraten, da ein Segler selbst auf kurzen Strecken große Geschwindigkeiten erreichen und sich dabei zu leicht an Möbeln oder Einrichtungsgegenständen verletzen kann.

 

Die Schwinge wird in physiologischer Haltung angelegt. Sorgfältig muss die druckempfindliche Flügelspannhaut (Pfeil) gepolstert werden. Zeichnung: C. Haupt

 

 

 

Eine elastische Binde wird von ventral nach dorsal um den Humerus geführt, dann über das Buggelenk und um den Carpus. Zeichnung: C. Haupt

 

 

Die Binde wird dorsal über die Schwinge gelegt, als Achterschlinge wieder ventral und unter dem Humerus entlang gezogen. Zeichnung: C. Haupt

 

Soweit möglich, ist der chirurgischen Frakturversorgung beim Mauersegler unbedingt der Vorrang zu geben. Die Marknagelung hat sich bereits in vielen Fällen als erfolgreich erwiesen, ist schnell und einfach durchzuführen und behindert den Patienten während der Rekonvaleszenzzeit am wenigsten. Das Großgefieder darf bei der Operation keinesfalls beschädigt werden. Nach dem Ziehen des Nagels sind einige Tage Physiotherapie nötig.

Die relativ häufige Radiusfraktur, die unversorgt zu eingeschränkter Flugfähigkeit führen kann, wird mittels einer 0,4-mm-Kanüle genagelt, die in das distale Frakturende eingeführt wird, durch den am Buggelenk tastbaren Radiuskopf austritt und retrograd in das proximale Frakturende bis knapp vor das Ellbogengelenk geschoben wird. Der am Buggelenk austretende Nagel wird 1-2 mm über der Haut abgesetzt und mit einem kleinen Klebestreifen vor dem "Selbstziehen" durch den Patienten geschützt.

Die Ulna wird in entgegengesetzter Richtung genagelt; hier tritt der Nagel unter maximaler Beugung am proximalen Ende der Ulna knapp unterhalb des Ellbogengelenkes aus. Eine 0,5-mm-Kanüle oder ein Bohrdraht können Verwendung finden. Bewährt hat sich für den Radius der mediale, für die Ulna der dorsale Zugang.

 

 

Ein Defekt im Schultergürtel kann diagnostiziert werden durch fehlende oder eingeschränkte Flugfähigkeit, inkongruente Flügelbewegung, Niederhängen der betroffenen Schulter sowie das Unvermögen des Seglers, sich, wenn er probeweise auf den Rücken gelegt wird, aus eigener Kraft wieder herumzudrehen. Ein Röntgenbild ist unverzichtbar, um die Möglichkeit einer Prellung auszuschließen. Eine exakte Lagerung ist für die einwandfreie Darstellung des Schultergürtelbereiches unabdingbar. Gegebenenfalls empfiehlt sich eine Sedation des Patienten. 

Die am häufigsten auftretenden Schultergürteldefekte sind Frakturen der Clavicula und des Coracoids sowie die Luxatio articulatio humeri ("Schulterluxation"), die sich klinisch auf gleiche Weise äußert und im Röntgenbild eindeutig diagnostiziert werden kann: Erkennbar sind die oft signifikante Dislokation des Oberarmes sowie der deutlich vergrößerte Abstand zwischen Humeruskopf und Schultergelenk der betroffenen Seite. Schwerer zu diagnostizieren ist die nicht seltene Luxatio art. sternocoracoidea: ein Abriss der sehnigen Anheftung des Coracoids an das Sternum mit Dislokation über die Mediane hinaus. Dieser Defekt kann im Röntgenbild leicht übersehen werden und erfordert ein geübtes Auge.

 

 

Prellungen

Prellungen insbesondere der Schulter kommen beim Mauersegler häufig vor und äußern sich klinisch ähnlich wie ein Knochenbruch oder Bandabriss im Schultergürtel, allerdings sieht die Schulter symmetrisch aus (vgl. Foto oben). Streckt der Segler eine Schwinge nicht, schont er oder presst er sie fest an den Körper, muss unbedingt ein Röntgenbild angefertigt werden. Denn eine Prellung, obwohl hochgradig schmerzhaft, ist heilbar! Meist beginnt der Segler bereits nach Ablauf einiger Tage, den Flügel wieder vorsichtig zu bewegen. Danach ist eine kontinuierliche Besserung zu beobachten, und nach etwa 10 bis 14 Tagen sollte man behutsam mit der Physiotherapie (Trainieren am Boden oder in der Gardine) beginnen. Erfahrungsgemäß ist nach etwa drei bis vier Wochen die Flugfähigkeit vollständig wiederhergestellt.

 

 

Tipps für den Tierarzt

 

Antibiose:

a) Doxycyclin („Vibravenös“) 75-100 mg/kg KGW i.m. SID 1. und 4. Tag (auf zwei Stellen verteilen und nach Injektion gut einmassieren, sonst Gefahr von Muskelnekrosen). Nicht bei Nestlingen! Gut bei Katzenbissen. Nachteil: Zunehmend treten Resistenzen auf!

b) Enrofloxacin („Baytril“ 2,5 % Injektionslösung, „Baytril“ 0,5 % Oral-Lösung) 10 mg/kg KGW i.m. bzw. p.o. BID 5-10 Tage; bei Staph. und E. coli z.T. Resistenzen vorhanden, deshalb ggf. Kombination mit

c) Amoxicillin/Clavulansäure („Augmentan-Tropfen“) 150 mg/kg KGW p.o. SID über 5-10 Tage

 

 

Verletzungen

Gehen Sie mit einem verwundeten Segler unbedingt sofort zum vogelkundigen Tierarzt. Er kann entscheiden, ob das Tier eingeschläfert werden muss oder zu behandeln ist, wird eine Wundtoilette vornehmen, eventuell nähen und die notwendige antibiotische Versorgung ausführen. Oft ist auch eine Infusion mit Aufbaupräparaten nötig. Fettende Salben, stark klebende Verbände und dergleichen sind beim Mauersegler unbedingt zu vermeiden, das Gefieder darf nicht beschädigt werden!

Sollten die Wunden des Vogels von einer Katze stammen, muss er so schnell wie möglich ein Antibiotikum gespritzt bekommen, und jede Stunde zählt: Die Krallen verursachen nadelfeine, hochinfektiöse Verletzungen, während sich unbehandelte Katzenbisse im allgemeinen binnen kürzester Zeit tödlich auswirken. Über ihren Speichel werden Pasteurellen, bakterielle Infektionserreger, in die Blutbahn des Vogels übertragen und führen nach ein bis zwei Tagen den Tod durch Septikämie ("Blutvergiftung") herbei, da Vögel gegen diese Erreger sehr empfindlich sind.

Augenverletzungen haben beim Mauersegler meist eine schlechte Prognose. Unter hochgradigen Schwellungen, blutigen Krusten etc. verbirgt sich leider in der Regel ein zerstörtes Auge. Mit nur einem Auge kann ein Mauersegler nicht leben, da ihm dann das räumliche Sehen fehlt und er keine Nahrung mehr fangen könnte. Noch dazu sind Augenverletzungen in höchstem Ausmaß schmerzhaft! Dem Rat des Tierarztes, den Vogel dann von seinen Qualen zu erlösen, muss unbedingt Folge geleistet werden!

Blutungen aus Nase oder Schnabel treten oft nach Anflügen auf; hier ist tierärztliche Notversorgung nötig. Blutungen aus dem Ohr sind kennzeichnend für einen Schädelbasisbruch; es bleibt nur mehr die Euthanasie.

 

 

Tipps für den Tierarzt

 

Prämedikation:

Amynin / Ringer-Lactat 1:1, 1 ml körperwarm s.c.

Naphthionsäure ("Hemoscon") 100 mg/kg i.m.

Traumeel Injektionslösung tropfenweise p.o. (auch post OP, nach Anflügen, bei Prellungen; 1 Tropfen BID - TID)

 

Postoperative Analgesie:

Flunixin-Meglumin ("Finadyne") 5 mg/kg i.m. einmalig

Meloxicam ("Metacam-Suspension") 1 Tropfen BID 1-2 Tage

 

Sedation:

Diazepam (4-6 mg/kg KGW i.m.)

 

Narkose:

Inhalationsnarkose Isofluran (Einleitung 3-4 Min. 2,5-5% Isofluran + 1-2 l/Min. O2, Erhaltung 0,5-2 % Isofluran + 0,5-1 l/Min. O2)

oder

Injektionsnarkose mit Diazepam (4-6 mg/kg KGW) und Ketaminhydrochlorid (60 mg/kg KGW) i.m. in Mischspritze; bei Bedarf nachdosieren mit Ketamin (40-50 mg/kg KGW). Bei Exzitationen Diazepam nachdosieren (5 mg/kg KGW).

 

Euthanasie:

Ketaminhydrochlorid („Hostaket“, „Ketanest“)

150 mg/kg KGW i.m., dann 0,05 - 0,1 ml "T 61" i.v. oder i.c.

 

 

Großgefiederschäden

Immer wieder gelangen Segler mit vermutlich unfallbedingten Federschäden in Menschenhand: mit abgeknickten, abgebrochenen oder aus unbekannten Gründen fehlenden Schwungfedern. Solche Schäden sind in der Regel auf nur eine Schwinge beschränkt (im Gegensatz zu genetisch bedingten oder durch falsche Ernährung hervorgerufenen Gefiederdefekten, die meist symmetrisch auftreten).

 

Auch das gibt es leider: Junger Mauersegler, dem mutwillig die Schwungfedern beider Flügel abgeschnitten wurden. Er konnte durch Schiften gerettet werden! Foto: C. Haupt

 

Die Entscheidung, was mit einem solchen „Unglücksvogel“ geschehen soll, ist nicht einfach und muss vom Tierarzt getroffen werden. Es ist möglich, unter Allgemeinnarkose die beschädigten Schwungfedern vorsichtig zu ziehen. Allerdings sind die Kiele der großen Handschwungfedern außerordentlich fest – bis in den Unterarmknochen! – verankert, und die Gefahr ist groß, selbst bei fachkundiger Entfernung schwere Verletzungen zu verursachen. Oft wächst dann keine neue Feder nach, oder sie sprießt deformiert. Auch im günstigsten Fall dauert es sieben bis acht Wochen, ehe die neuen Schwungfedern vollständig herausgewachsen sind.

 

Die falknerische Methode des Schiftens, d.h. des Aufsetzens unversehrter Federn auf die Kiele der beschädigten, kann in solchen Fällen die Rettung sein, ist aber beim Mauersegler keinesfalls eine Routineoperation.

 

 

Austrocknung und schlechter Ernährungszustand

 

Dem Fundvogel sollten zu allererst einige Tropfen Wasser eingeflößt werden, falls er längere Zeit gedürstet hat. Dann überprüfen Sie die Brust des Tieres: Springt der Knochen (Brustbein) schiffskielartig spitz hervor, ist der Vogel stark abgemagert. Man träufelt ihm dann alle 15-20 Minuten einige Tropfen Traubenzuckerlösung (10 g Traubenzucker in 100 ml lauwarmem Wasser) mit einer Pipette oder der Plastikspritze (natürlich ohne Nadel!) in den Schnabel, freilich ohne den Vogel dabei mit der klebrigen Lösung zu verschmieren.  Der Pflegling darf sich nicht in Rückenlage befinden, er könnte sich verschlucken und ersticken.

 

Unbedingt muss das Tier warm gehalten werden (ca. 32°-35° C). Am besten geeignet ist Wärme von unten (Wärmeflasche oder Heizdecke - Temperatur kontrollieren!).

 

Bei hochgradig abgemagerten Seglern besteht die Gefahr, dass nicht einmal mehr Flüssigkeit, geschweige denn feste Nahrung verwertet werden kann. Der Kreislauf eines solchen Tieres liegt meist völlig darnieder, die Verdauung funktioniert nicht mehr. Dies betrifft in der Regel Jungsegler, die nur noch knapp über 20 g oder weniger wiegen. Sie sind akute Notfälle. Viele dieser "Hungerkünstler" können nach neueren Erfahrungen durch eine Infusion vom Tierarzt, die nach 12 Stunden wiederholt werden sollte, gerettet werden.

 

Durch diese Aufbaupräparate wird der Kreislauf wieder in Gang gebracht, man gewinnt Zeit, um inzwischen Futter zu besorgen und kann dann mit ganz vorsichtiger Anfütterung beginnen. Das die Verdauung fördernde Präparat "Pankreon", in Apotheken als Granulat erhältlich, hat sich in solchen Fällen als sinnvoll erwiesen: 3-4 mal pro Tag zerdrückt man 1-2 Kügelchen, tupft das entstandene Pulver mit einem Futterstückchen auf und verabreicht es dem Patienten, solange, bis sein Zustand stabil ist und er gut zunimmt.

 

Beginnt der Segler, sich etwas zu erholen, füttert man etwa alle halbe Stunde einige kleine Grillen – am besten zunächst nur die weichen Hinterteile – (oder, wenn man hat, die etwas festeren gelblichen Drohnen) und beobachtet, ob der Vogel Kot absetzt. Dies ist äußerst wichtig! Stark unterernährte junge Mauersegler zeigen zwar oft Heißhunger und würden am liebsten den ganzen Finger ihres Pflegers verschlingen, sind aber noch viel zu schwach, um Futter zu verdauen. Bei einem wild bettelnden Segler ist die Versuchung groß, soviel Nahrung zu geben, wie das Tier nur will. Ganz schnell kommt es dann aber nach anfänglicher Besserung zu einer lebensgefährlichen Magenüberladung, oft mit Todesfolge. Warnende Anzeichen sind Gewichtszunahmen von mehreren Gramm in wenigen Stunden.

Prüfen Sie regelmäßig durch vorsichtiges Betasten, ob der Leib des Vogels gut gefüllt, aber doch weich und nachgiebig ist! Ein harter, sich wie eine Murmel kugelrund vorwölbender Bauch bedeutet höchste Alarmstufe (dann sofort die Fütterung erst einmal aussetzen und am besten vom Tierarzt eine weitere Infusion mit Aufbaupräparaten vornehmen lassen).

Einen stark abgemagerten Jungsegler zu stabilisieren kann mehrere Tage dauern. In dieser Zeit kann sich auch bei vorsichtiger Fütterung der Bauch immer wieder einmal hart anfühlen, doch wenn man sich eisern daran hält, in kurzen Abständen kleine und leicht verdauliche Futtermengen zu verabreichen, wird es kaum zur oben beschriebenen Notsituation kommen. Bis der Patient „über den Berg“ ist, sollte die nächtliche Fütterungspause nicht länger als 4–5 Stunden betragen. Danach kann man zur normalen Fütterung übergehen und hat sich auch seine gewohnte Nachtruhe redlich verdient.

 

 

Anflüge

Eine Vielzahl von Anflügen gegen Stromleitungen, Autos, Fensterscheiben oder dergleichen endet sofort tödlich, so dass keine Hilfe mehr möglich ist. Überlebt aber der Vogel den Aufprall zunächst, ist rasches Handeln nötig: So schnell wie möglich muss vom Tierarzt eine Schockbehandlung vorgenommen werden.

 

 

"Krämpfe"

Krampfgeschehen und Störungen des zentralen Nervensystemes können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Häufig treten sie in Folge eines Unfalles auf, und manchmal kommt ein betroffener Segler mit einer Gehirnerschütterung davon, ist lediglich matt und benommen und erholt sich nach einigen Tagen Ruhe und Wärme. Treten jedoch schwerwiegendere Symptome auf, wie z.B. Krampfanfälle, Kreiselbewegungen, Überschlagen, stereotype Kopfbewegungen, ist die Prognose zweifelhaft. Solche Patienten gehören so schnell wie möglich in die Hand eines vogelkundigen Tierarztes!

 

Krampfanfälle bei Vitamin B-Mangel. Foto: C. Haupt

 

Ein häufig beobachtetes Krampfgeschehen, das sehr plötzlich auftreten kann, rasant fortschreitet und unbehandelt schlimmstenfalls zum Tode führt, entsteht durch einen Mangel an Vitaminen des B-Komplexes. Dies betrifft insbesondere Mauersegler, die mit Mehlwürmern oder Grillen minderer Qualität gefüttert werden sowie solche, die über die normale Aufzuchtzeit hinaus in Menschenhand verbleiben müssen, z.B. "Federschieber".

Die Symptome beginnen unmerklich mit Essunlust, starrem Blick und zwanghaften Kopfbewegungen und steigern sich bis zum Kopf-in-den-Nacken-werfen, zu unkontrollierten Krämpfen und Kreisbewegungen. Der Tierarzt kann einen solchen Anfall durch eine Injektion mit Vitamin-B-Komplex umgehend beheben. Eine Verabreichung von Vitamin-B in den Schnabel hat sich beim Mauersegler als weitgehend unwirksam erwiesen. Auch die vorbeugende Verabreichung mit dem Futter scheint Mangelsymptome nicht immer verhindern zu können.

 

 

Parasiten

Oft sind Mauersegler von Federlingen, Milben und besonders der Blut saugenden Seglerlausfliege (Crataerina pallida) befallen. Diese so genannten Ektoparasiten treten manchmal in so großer Zahl auf, dass sie für einen geschwächten Jungsegler lebensbedrohlich werden können. Die Seglerlausfliege gleicht entfernt einer Stubenfliege, hat jedoch zurückgebildete Flügel und besitzt Saugfüße, mit denen sie sich auch an menschlicher Haut festklebt. Sie springt gern auf Menschen über und ist aufgrund ihres harten Panzers mit den Fingern praktisch nicht zu zerdrücken.

Für Sie sind die Ektoparasiten des Mauerseglers nicht gefährlich, höchstens unangenehm. Sie können dem Vogel eine kleine Prise eines für Vögel geeigneten Insektenpuders (z.B. „Bolfo-Puder“), das Sie in jedem Zoofachgeschäft erhalten, im Nackengefieder verteilen. Das Mittel darf dem Pflegling nicht in Augen und Schnabel geraten!

 

Seglerlausfliege, etwa so groß wie die Stubenfliege. Foto: U.Tigges

 

Nicht selten sind Mauersegler auch von Endoparasiten befallen. Mehrfach nachgewiesen wurden Bandwürmer, die im Darm des Seglers schmarotzen und unter besonderen Bedingungen zum Tod des Vogels führen können. Man kann solche Würmer sogar mit bloßem Auge im Kot erkennen; sie sind winzig klein und bewegen sich. Sicherheitshalber sollte man vom Tierarzt eine Kotuntersuchung auf Bandwürmer vornehmen lassen. Seltener treten Haarwürmer auf; auch ihre Eier können bei einer Kotuntersuchung nachgewiesen werden.

 

Tipps für den Tierarzt

 

Beim Mauersegler nachgewiesen wurden Cestoden und Nematoden. Insbesondere Altvögel sind häufig befallen. Bandwurmverdächtig sind erfahrungsgemäß stark abgemagerte Segler, die nach ein oder zwei Tage andauernder, anfänglicher Besserung ihres Zustandes nicht mehr zunehmen, plötzlich die Nahrung verweigern und eine rapide Verschlechterung ihres Allgemeinbefindens zeigen. Die sofortige Verabreichung von Praziquantel („Droncit“ 10 mg/kg KGW p.o. oder 5–10 mg/kg KGW i.m., nach 10 Tagen wdh.) hat hier in vielen Fällen geholfen. Bei der Flotation werden Bandwurmeier nicht nachgewiesen, und auch die Sedimentation ist nicht immer aussagekräftig! Wegen des außerordentlich progressiv verlaufenden Krankheitsbildes des Cestodenbefalles beim Mauersegler ist eine prophylaktische Therapie ggf. anzuraten. Gelegentlich wurden Segler, die für kurze Zeit fälschlich mit Regenwürmern gefüttert wurden, daraufhin von Luftröhrenwürmern befallen. Dyspnoe und Atemgeräusche sind klinische Anzeichen für einen solchen Befall. Fenbendazol („Panacur-Suspension 2,5 %“, 25 mg/kg KGW p.o. SID 3 Tage, nach 10 Tagen wiederholen) hat sich als wirksam gegen Syngamus, Askariden und Capillarien erwiesen.

 

 

Krankheiten

Über Infektionskrankheiten beim Mauersegler ist nur wenig bekannt. Unspezifische Indizien dafür wären z.B. Apathie, Atemnot, Lähmungen, gesträubtes Gefieder, aufgekrümmter Rücken, auffallend blasse, gelbliche oder bläuliche Schleimhäute, Auflagerungen im Schlund, verschmiertes Gefieder unterhalb des Schwanzes, übel riechender Kot…

Stellen Sie einen Fundvogel sicherheitshalber immer einem auf Haus- und Wildvögel spezialisierten Tierarzt vor, der, wenn er es für notwendig hält, einen Schlundabstrich und eine Kotuntersuchung vornehmen kann. So können etwaige Keime, Würmer etc. festgestellt und rechtzeitig behandelt werden.

 

 

Tipps für den Tierarzt

 

Für den Unfallvogel gelten dieselben Grundregeln wie beim Säugetier:  Vitalfunktionen sichern – Blutstillung – Schockbehandlung!

 

Etwaige Frakturen – sofern sie nicht Anlass zur sofortigen Euthanasie bieten – sind zunächst sekundär.

Bei Mauerseglern mit Commotio cerebri nach Anflug hat sich die auf Seite 3 bereits aufgeführte, sofortige Verabreichung von Ringer-Lactat-Lösung subkutan zur Volumensubstitution sowie von Kortikosteroiden, Antibiotika und Vitamin-B-Komplex intramuskulär bewährt. Medikamente zur Kreislauf- und Atemstimulation können hilfreich sein. Der Patient benötigt strikte Ruhe und Wärme.

Die Prognose bei Anflügen ist immer sehr vorsichtig zu stellen. Innere Verletzungen wie Hirnblutungen, Schädelfrakturen, Rückgratverletzungen u.ä. führen in der Regel zum Tode oder haben Lähmungen (z.B. schlaffe Beine, völlig bewegungslose Krallen, fehlender Kotabsatz) und schwere zentralnervöse Störungen zur Folge, die letztlich eine Euthanasie erfordern.

 

Kreislauf- und Atemstimulation:

• g-Strophantin p.o. tropfenweise nach Wirkung. Cave Herzhypertrophie bei Überdosierung, bes. bei kleinen Vögeln.

• Etilefrin „Effortil“ 0,2-1 mg/kg KGW i.m. oder tropfenweise p.o.

• Dimethylbutyramid „Respirot“ p.o. tropfenweise nach Wirkung.

Peripheres Atemstimulans.

• Doxapram „Dopram V“ 10 mg/kg KGW i.m. oder tropfenweise p.o. Zentrales Atemstimulans.

 

 

 

 

Tipps für den Tierarzt

 

Die von der Verfasserin bislang beobachteten Erkrankungen von Mauerseglern waren fast ausschließlich auf Haltungs- und Fütterungsfehler durch die Finder der betroffenen Vögel zurückzuführen und äußerten sich als schwere Verdauungsstörungen, Leber-, Nieren-, Skelett- und Gefiederschäden.

Zu einer Reihe oft sehr hartnäckiger bakterieller Infektionen und Mykosen kann es vor allem durch mangelnde Hygiene beim Füttern kommen. Sie können durch falsche Ernährung, Mangelzustände und ein geschwächtes Immunsystem erschwert werden und manifestieren sich meist im Rachenraum und im Respirationstrakt. Klinisch dominieren Veränderungen im Rachen (weißliche oder bräunliche Punkte, Beläge oder Krusten, schleimige Fäden, süßlicher Geruch etc.), Atemgeräusche oder Atemnot.

Der Rachenraum von Mauerseglern, die noch nicht in Menschenhand waren, ist in der Regel steril. „Vorbehandelte“ Segler hingegen weisen oft ein breites Spektrum fakultativ pathogener Keime auf, u.a. Pseudomonas spp., Proteus, E. coli, Klebsiella, ß-hämolysierende Streptokokken, Staphylokokkus aureus. Häufig treten diese Keime zusammen mit Candida albicans auf. Die Candidiose des Mauerseglers spricht auf Flukonazol sehr gut an, das allerdings hepatotoxisch wirkt, so dass eine Behandlung mit Nystatin (wirkt lokal, muss mit den Hefen in Berührung kommen) vorzuziehen ist.  

 

Hohe Anfälligkeit für eine Aspergillose des Respirationstraktes besteht bei Antibiotika-Behandlung sowie bei geschwächtem Immunsystem. Ist die Infektion noch nicht zu weit fortgeschritten, ist eine Therapie mit Ketokonazol möglich.

 

Die bakteriologische und mykologische Untersuchung eines Rachentupfers sowie ein Antibiogramm sind für eine erfolgreiche Behandlung notwendig, da auch bei Wildvögeln zunehmend Resistenzen gegen die gängigen Antibiotika beobachten werden.

 

 

Antimykotika:

• Nystatin (z.B. „Candio Hermal“) 3 ml/kg KGW p.o. BID-TID über 10 Tage

• Flukonazol (z.B. „Diflucan“) 5 mg/kg KGW p.o. SID über 7-14 Tage

• Ketokonazol (z.B. „Nizoral“) 30 mg/kg KGW p.o. SID über 14 Tage

• Enilkonazol („Imaverol“) 1:50 in NaCl ad inhal. BID je 10 min. über 8-14 Tage.

 

 

Schäden durch Fehlernährung

Die Erfahrungen mit Mauerseglerpfleglingen in den letzten Jahren haben zu alarmierenden neuen Erkenntnissen geführt. Insbesondere Ernährungsfehler und ihre fatalen Folgen stehen hier an erster Stelle. Während Insekten fressende Singvögel (z.B. Schwalben, Rotschwänze, Rotkehlchen, Grasmücken, Schnäpper, Zaunkönige…) bei falscher Fütterung sehr rasch zu Grunde gehen, reagiert ein fehlernährter Mauersegler in der Regel mit zeitverzögerten, aber nicht minder folgenschweren Schäden.

Bei ihm scheint falsches Futter vorrangig zu Leberschäden und sekundär zu den vielfach beobachteten Gefiederdefekten zu führen. Defekte Schwungfedern jedoch sind für einen Dauerflieger das Todesurteil. Selbst auf nur kurzfristige, wenige Tage andauernde Fehlfütterung reagieren die meisten Jungsegler bereits mit Schwungfederausfall oder Schäden des Federkiels und der Federfahne. Ebenfalls sehr häufig sind Durchfall, schwere Verdauungsstörungen sowie Skelettdeformationen.

 

Verhängnisvollerweise sind viele Futtermittel, die sich inzwischen als äußerst schädlich erwiesen haben, seit Jahrzehnten bei der Fütterung junger Wildvogelfindlinge üblich und werden nach wie vor von vielen Fachleuten empfohlen. Dies ist umso schlimmer, als die Finder sich meistens Rat suchend an Personen wenden, die sie für kompetent bezüglich Tieren im allgemeinen und Vögeln im speziellen halten müssen. Es bleibt zu hoffen, dass viele „Irrtümer mit Tradition“ baldigst einer artgerechten, an der Natur orientierten Ernährung von Vogelfindlingen weichen. Nur so kann man den unterschiedlichen Nahrungsansprüchen von Vogelpfleglingen verschiedenster Arten, für deren Vielfalt es kein „Universal-Rezept“ gibt, annähernd gerecht werden.

 

 

Von welchen Futtermitteln sollte man nun also die Finger lassen, und was für Schäden bewirken sie?

 

Hackfleisch / Mett

Die wohl älteste und am weitesten verbreitete Fehlinformation lautet, Mauersegler mit Hackfleisch zu füttern. Dabei müsste jeder, der einmal nachdenkt, der sich mit der Lebens- und Ernährungsweise eines Seglers beschäftigt oder diese Vögel auch nur in freier Natur beobachtet, zwingend zu dem Schluss kommen, dass sie ganz gewiss keine Schweine oder Rinder fangen und verspeisen. Ihr Organismus ist auf Fleischnahrung, noch dazu pures oder gar gewürztes Fleisch, nicht eingerichtet. Es ist unverständlich, warum sich dieser logisch nicht nachvollziehbare Fütterungshinweis derartig hartnäckig behauptet. Vielleicht, weil es für den Pfleger so sehr einfach ist. Ein weiterer Grund dafür mag sein, dass sich die fatalen Konsequenzen für den Mauersegler meist mit Zeitverzögerung einstellen. Der Verlust von Schwungfedern, der bei fast allen nur mit Hackfleisch gefütterten Mauerseglern auftrat, ereignet sich erst etwa 8-10 Tage nach der Ernährungsumstellung auf Insekten. Ein Zeitpunkt also, zu dem ein Jungsegler, wenn er denn Flugkondition erreichte, sich bereits in der Luft befände. In vielen Fällen kommt es gar nicht erst so weit, denn weitere Folgen der Hackfleischernährung sind mangelnde Kalkeinlagerung im Skelett und Deformationen der Knochen, schwerste Verdauungsstörungen, Durchfall, Lebervergrößerung und Mangelerkrankungen.

Die Gefiederstörungen reichen vom Ausfall einzelner Federn über vielfältige Defekte der Federfahnen, nicht abgelöste Federspulen und stumpfes, aufgefasertes Körpergefieder bis hin zum verminderten Wachstum und zum Totalverlust der großen Schwungfedern. Die Schwanzfedern weisen meist Schäden ihrer Struktur auf und sind mangelhaft ausgebildet.